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Experten begutachten entdeckte Wandmalereien im Johanniter-Relikt / Stadtrat verordnet Nothilfe für Romanisches Haus

Rätsel um geheimnisvolle Zeichen in Werben

Werben. Für den Erhalt eines der ältesten Bauwerke Sachsen-Anhalts hat Werbens Stadtrat in dieser Woche dringend nötige Maurer-, Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten in Auftrag gegeben.

Die als Notsicherung deklarierte Investition in einen besseren Zustand des Romanischen Hauses, das auch unter der Bezeichnung Lambertikapelle bekannt ist, hat der Magdeburger Planer Carsten Sußmann schon vor Monaten in einer „Denkmalschutzrechtlichen Zielstellung“ formuliert.

Nun hat eine Expertin für mittelalterliche Putze eine weitere Besonderheit im prominenten Kleinod aus dem 12. Jahrhundert, das als Wiege des Johanniter-Ordens gilt, bei einem Vororttermin begutachtet. Die Mitarbeiterin des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie inspizierte bislang verborgene Wandmalereien, die unter Mitwirkung von geschichtsverbundenen Akteuren des Altmärkischen Heimatbunds im Innern des Objekts dokumentiert worden sind. Noch vor einem Jahr hatte die zuständige Referatsleiterin des Landesamtes erklärt, dass das Bauwerk keine Kapelle gewesen sei. „Die Johanniter bauten ein festes Haus aus Backsteinen, weil sie sich darin versammeln und Urkunden sicher einlagern wollten“, begründete Luise Schier. Dass eine Toilette und Heizmöglichkeit vorhanden sei, weise eindeutig auf eine weltliche Nutzung hin. Ein Ordenskreuz, das an die Wand gemalt war, habe die Experten zunächst in die Irre geführt. Bei dem Kreuz handele es sich um ein Erkennungs- und Schutzzeichen der Johanniter

Welche Bedeutung den nun unter dem Putz auf verschiedenen Wänden augenscheinlich mit schwarzer und rötlicher Farbe aufgetragenen Zeichen zukommt, dürfte ein weiteres weites Feld für Fachleute sein. Planer Sußmann hat die Beseitigung jüngster Forscher-Folgen jedenfalls angemahnt. So müsse die Schurfgrube am Südwestgiebel „kurzfristig wieder aufgefüllt werden“, damit sich dort kein Wassersammelpunkt bilden könne, der das Mauerwerk nachhaltig schädigen könne. Die Schurfgrube sei in Folge einer Teilgrabung entstanden, als zwei Studenten im August 2013 an dem Objekt im Rahmen ihrer Masterarbeit geforscht haben (AZ berichtete).

Die Provinzial-Sächsische Genossenschaft der Johanniter will im Romanischen Haus eine Ausstellung zur bald tausendjährigen Geschichte des Ordens etablieren. Der zuständige Kommendator des Gremiums, Martin von Gehren, hat für den Aufbau der Ausstellung bereits vor geraumer Zeit 20 000 Euro als Spende angekündigt. Und auch für das Umfeld des traditionsreichen Erbes der weltkleinsten Hansestadt gibt es große Pläne. Der Arbeitskreis „Albrecht der Bär“ will auf dem Vorplatz des Backsteinbaus bis 2020 ein Denkmal für den berühmten Askanierfürsten wiedererrichten (AZ berichtete). Damit all die Pläne Realität werden können, sind jetzt erstmal Handwerker gefragt. Denn es gilt, Mauerwerk zu sichern, das Dach abzudichten, Ziegel zu ersetzen und – für eine ungewisse Übergangszeit – eine „temporäre Regenrinne“ samt Fallrohren zu installieren.

Von Antje Mahrhold

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